Camping im Kleinwalsertal – vier Plätze, Preise und die Regeln fürs Wohnmobil

Wer mit dem Wohnmobil ins Kleinwalsertal fährt, hat genau vier Adressen zur Auswahl – und keine Alternative dazu. Das Tal ist 15 Kilometer lang, an drei Seiten von Bergen begrenzt, und der Talboden ist so schmal, dass jeder Quadratmeter mehrfach verplant ist. Vier Campingplätze in Riezlern und Mittelberg teilen sich deshalb die gesamte Nachfrage, ausgewiesene Wohnmobilstellplätze außerhalb dieser Plätze gibt es nicht, und das Übernachten auf öffentlichen Parkplätzen ist untersagt.

Das klingt nach Einschränkung, hat aber einen handfesten Vorteil: Alle vier Plätze liegen im Ort oder am Ortsrand, alle sind an den kostenlosen Walserbus angebunden, und mehrere geben ihren Gästen Bergbahntickets mit, deren Wert die Standgebühr schnell übersteigt.

Die vier Plätze im Überblick

Camping Vorderboden, Mittelberg

Der Platz liegt auf 1.250 Metern in Vorderboden bei Mittelberg, am oberen Ende des Tals – Adresse Vorderboden 1, 6993 Mittelberg. Er ist mit rund 80 Stellplätzen der größte im Tal und in den Bewertungsportalen zugleich der bestbewertete: Bei camping.info steht er bei 4,8 von 5 Punkten aus über 450 Bewertungen.

Zur Ausstattung gehören moderne Sanitäranlagen, ein Restaurant mit Selbstbedienung, ein Kiosk mit Semmeln und regionalen Produkten, Spielplatz und Tischtennis. Die Preise nach Angaben des Betriebs: Stellplatz 15,50 Euro in der Nebensaison und 16,50 Euro im Juli und August, Komfortplätze mit Wasser- und Abwasseranschluss 6 Euro Aufschlag. Pro Erwachsenem kommen 16,30 bis 17,30 Euro dazu, für Kinder von 3 bis 13 Jahren 10 bis 11 Euro. Strom kostet 1,10 bis 1,60 Euro je Kilowattstunde, der Hund 4 Euro pro Tag. Dazu kommt die Gästetaxe von 4,40 Euro ab 14 Jahren. In den Personenpreisen von Mai bis Oktober sind die Bergbahnen enthalten – der wichtigste Posten in dieser Rechnung.

Camping Jochum, Riezlern

Camping Jochum liegt am Ortseingang von Riezlern an der Walserstraße 10, dort, wo laut Betrieb die Sonne am längsten scheint. Der Platz ist deutlich kleiner als Vorderboden und wird ganzjährig betrieben, mit einer Pause im Spätherbst.

Die Preise für 2026 sind übersichtlich: Im Sommer zahlen Erwachsene 16,50 Euro, Kinder von 2 bis 6 Jahren 6,50 Euro und von 7 bis 14 Jahren 10 Euro pro Nacht; Wohnwagen mit Auto kosten 16 Euro, das Wohnmobil 14 Euro, der Hund 3 Euro, Strom 1 Euro je Kilowattstunde. Im Winter 2026/27 liegen die Personenpreise mit 15 Euro etwas niedriger, die Fahrzeugpreise mit 19 beziehungsweise 16 Euro höher. Die Gästetaxe beträgt 4,40 Euro im Sommer und 4,70 Euro im Winter.

Ab einem Aufenthalt von vier Nächten ist im Personenpreis ein Bergbahnticket enthalten. Wer länger bleibt, bekommt gestaffelte Nachlässe: 3 Prozent ab 14 Tagen, 5 Prozent ab 18 Tagen, 7 Prozent ab 21 Tagen und 10 Prozent ab 30 Tagen. Das Büro ist von 8 bis 11.30 Uhr und von 14 bis 17.30 Uhr besetzt, Anreise ist zwischen 14 und 17.30 Uhr, Abreise bis 12 Uhr.

Alpencamping Haller, Riezlern

Der Familienbetrieb am Köpfleweg 10a liegt etwas oberhalb von Riezlern und hat rund 30 Terrassenplätze. Die Hanglage ist hier kein Nachteil, sondern das Konzept: Die Terrassen sind so angelegt, dass sowohl Sonne als auch Wetterschutz funktionieren, und der Blick geht über das Tal.

Im Winter ist der Platz die interessanteste Adresse für Skifahrer, weil er nah an der Talabfahrt der Kanzelwandbahn liegt. Hunde sind erlaubt, die Sanitäranlagen sind modernisiert, und der Betrieb wirbt mit unbegrenzter Bergbahnnutzung für seine Gäste. Aktuelle Preise stehen auf der Website des Platzes, telefonisch erreichbar unter +43 5517 5343.

Camping Zwerwald, Riezlern

Zwerwald in der Zwerwaldstraße ist der Platz für alle, die es ruhig mögen – mit rund 60 Stellplätzen, in Waldnähe gelegen und bewusst ohne Internetangebot. Die Saison läuft im Sommer etwa von Mitte Mai bis Ende Oktober, im Winter von Mitte Dezember bis Ende April.

Anfragen laufen hier am besten telefonisch. Wer Wert auf Ausstattung und Service legt, ist auf einem der anderen drei Plätze besser aufgehoben – wer Ruhe sucht, hier.

Warum die Bergbahn den Preis entscheidet

Camping im Kleinwalsertal ist nicht billig. Eine Familie mit zwei Kindern kommt im Sommer je nach Platz schnell auf 60 bis 70 Euro pro Nacht inklusive Gästetaxe. Diese Zahl steht aber nie allein: Eine einzelne Berg- und Talfahrt an der Kanzelwandbahn kostet für Erwachsene 39,30 Euro, und wenn Bergbahnfahrten im Personenpreis enthalten sind, dreht sich die Rechnung.

Zwei Modelle sind im Tal üblich. Camping Vorderboden hat die Bergbahnen von Mai bis Oktober direkt in den Personenpreis eingerechnet. Camping Jochum gibt das Ticket ab der vierten Nacht dazu. Beides bedeutet: Wer täglich auf den Berg fährt, zahlt für die Übernachtung faktisch wenig. Wer dagegen nur zwei Nächte bleibt und im Tal wandert, zahlt einen Preis wie in einer teuren Region – ohne die Gegenleistung zu nutzen.

Dazu kommt der Gästepass, den alle gemeldeten Gäste erhalten und der unter anderem den Walserbus im gesamten Tal und bis Oberstdorf kostenlos macht. Für Campinggäste ist das mehr als eine Nebenleistung: Der Bus fährt an allen vier Plätzen vorbei, und damit bleibt das Wohnmobil während des ganzen Urlaubs stehen.

Ein Rechenbeispiel für vier Nächte

Wie stark die Inklusivleistungen durchschlagen, zeigt eine Familie mit zwei Kindern im Juli auf Camping Vorderboden. Der Stellplatz kostet in der Hauptsaison 16,50 Euro, dazu kommen zwei Erwachsene zu 17,30 Euro und zwei Kinder zu 11 Euro, macht 73,10 Euro pro Nacht. Bei vier Nächten sind das 292,40 Euro, zuzüglich Gästetaxe für die Erwachsenen und Strom nach Verbrauch.

Dem stehen die Bergbahnen gegenüber, die von Mai bis Oktober in den Personenpreisen enthalten sind. Vier Berg- und Talfahrten an der Kanzelwandbahn für zwei Erwachsene würden regulär bereits über 300 Euro kosten – eine einzelne Auffahrt liegt bei 39,30 Euro. Welche Karten sich ab wann rechnen, steht im Beitrag zu Skipass- und Bergbahnpreisen. Wer den Berg täglich nutzt, hat die Übernachtung damit rechnerisch geschenkt bekommen. Wer stattdessen im Tal spazieren geht, zahlt schlicht einen hohen Campingpreis.

Daraus folgt eine einfache Planungsregel: Prüfen Sie vor der Buchung, welcher Platz welche Leistungen ab welcher Aufenthaltsdauer einschließt, und legen Sie die Aufenthaltslänge danach aus. Bei Camping Jochum beginnt der Vorteil ab der vierten Nacht, drei Nächte bringen ihn also nicht.

Wenn alles ausgebucht ist: Alternativen in Oberstdorf

Vier Plätze sind wenig, und in den bayerischen Sommerferien sind sie voll. Die nächste Ausweichmöglichkeit liegt wenige Kilometer jenseits der Grenze in Oberstdorf, von wo aus der Bus ins Tal fährt.

Das Rubi-Camp an der Rubinger Straße 34 am Ortsrand von Oberstdorf ist mit 80 Komfortplätzen zu je 80 bis 100 Quadratmetern deutlich großzügiger geschnitten als die Walsertaler Plätze. Alle Stellplätze haben Wasser, Abwasser und 16-Ampere-Stromanschluss, dazu gibt es Sanitäranlagen mit Mietbädern, Trockenraum, Waschmaschinen, Laden, Bistro, Spielplatz, Saunafass und Gasflaschentausch. Geöffnet ist ganzjährig mit einer Pause von Mitte November bis Mitte Dezember, die Zeltwiese läuft von Mai bis September. Ab sieben Nächten sind im Sommer Bergbahnfahrten enthalten.

Der Nachteil ist der Weg: Ins Kleinwalsertal sind es von dort rund eine halbe Stunde mit dem Bus, und die Gästekarte gilt in der jeweils anderen Region nicht in vollem Umfang. Für einen Urlaub mit Schwerpunkt Oberstdorf ist das der bessere Standort, für einen Urlaub im Tal die Notlösung.

Wintercamping: kalt, aber gut erschlossen

Drei der vier Plätze sind auch im Winter geöffnet – eine Seltenheit in dieser Höhenlage und einer der Gründe, warum das Tal in der Camperszene bekannt ist. Wer im Januar hier steht, braucht die passende Ausrüstung: Gasvorrat für Dauerheizung, Kabel für die Stromversorgung bei Minusgraden, isolierte Schläuche und Schneeschaufel gehören zur Grundausstattung.

Der Vorteil liegt auf der Hand. Von Alpencamping Haller aus ist die Talabfahrt der Kanzelwandbahn fußläufig, von den Riezlerner Plätzen fährt der Skibus, und die Gästetaxe von 4,70 Euro beinhaltet wieder die Busfahrten. Ein Wohnmobil direkt am Skigebiet kostet damit einen Bruchteil dessen, was ein Hotelzimmer in derselben Lage aufruft. Was der Winter im Tal sonst bereithält, steht auf den Seiten zum Skigebiet, zum Winterwandern und zum Rodeln.

Freistehen: die Rechtslage

Hier ist die Antwort kurz. Das Kleinwalsertal gehört zum Land Vorarlberg, und dort ist das Aufstellen von Zelten, Wohnwagen und ähnlichen beweglichen Unterkünften außerhalb von Campingplätzen nicht frei möglich. Nach dem Vorarlberger Campingplatzgesetz kann der Bürgermeister es untersagen, wenn Interessen der Sicherheit, der Gesundheit, des Schutzes der örtlichen Gemeinschaft, der Landwirtschaft, des Tourismus oder des Naturschutzes berührt sind – was in einem durchgehend touristisch genutzten Tal praktisch immer der Fall ist. Eine Übersicht der Länderregelungen führt das Bergzeit-Magazin.

In der Praxis heißt das für das Kleinwalsertal: Auf den öffentlichen Parkplätzen im Tal ist das Übernachten laut Beschilderung untersagt, und es wird kontrolliert. Die Parkplätze an den Talstationen sind Tagesparkplätze, teilweise gebührenpflichtig. Wer dort die Nacht verbringt, riskiert nicht nur ein Verfahren, sondern trifft am Morgen auf einen vollen Platz mit Tagesgästen.

Für ungeplante Notfälle gilt in ganz Österreich eine andere Logik: Ein Notbiwak, das aus der Situation heraus nötig wird, ist toleriert. Das ist eine Bergsteigerregel und keine Camperlösung – sie deckt die Nacht am Berg nach einem Wetterumschwung ab, nicht das Wohnmobil an der Straße.

Anreise mit dem Wohnmobil

Das Kleinwalsertal ist von Österreich aus nicht mit dem Auto erreichbar. Die einzige Straße führt von Oberstdorf im Allgäu über die Walserstraße ins Tal – eine gut ausgebaute, aber kurvige Bergstraße, die stetig ansteigt. Für Gespanne und lange Fahrzeuge ist sie unproblematisch, verlangt aber die üblichen Reserven bei Bremsen und Motor.

Zwei Punkte sind vor der Fahrt zu klären. Erstens die Anfahrt bis Oberstdorf: Die letzten Kilometer durch das Illertal sind zu Ferienbeginn regelmäßig überlastet, eine frühe Abfahrt spart hier mehr Zeit als jede Routenwahl. Zweitens die Vignette – für die Zufahrt über deutsches Gebiet brauchen Sie keine österreichische Vignette, weil die Straße ins Tal nicht über das österreichische Autobahnnetz führt. Alle Details zur Route stehen auf der Seite Anfahrt ins Kleinwalsertal.

Im Tal selbst ist das Fahren mit dem Wohnmobil unkompliziert: eine Hauptstraße, drei Orte, dazu Baad als Endpunkt. Die Stichstraßen zu den Alpen sind allerdings teils gesperrt oder eng – wer dort hinauffährt, sollte vorher schauen, wo gewendet werden kann.

Ver- und Entsorgung

Alle vier Plätze verfügen über die üblichen Einrichtungen für Frischwasser, Grauwasser und Chemietoiletten; Camping Jochum weist eigene Entsorgungsmöglichkeiten und Stromanschlüsse aus. Eine öffentliche Ver- und Entsorgungsstation außerhalb der Campingplätze gibt es im Tal nicht, weshalb Durchreisende auf die Angebote in Oberstdorf und im Illertal angewiesen sind.

Wer länger bleibt, kauft in Riezlern und Mittelberg ein; Gasflaschen sind im Tal nicht überall erhältlich, ein voller Ersatzvorrat gehört im Winter zwingend ins Fahrzeug.

Was Sie vom Platz aus erreichen

Der große Vorteil beim Camping im Kleinwalsertal ist die Erschließung: Vom Platz aus liegt alles im Busradius. Die Kanzelwandbahn startet in Riezlern, die Ifenbahn an der Auenhütte, die Heubergbahn in Hirschegg. Wanderungen beginnen faktisch an der Haltestelle – wie das Tal ohne Auto funktioniert, beschreibt der Beitrag Urlaub ohne Auto.

Für Regentage gibt es Alternativen von der Breitachklamm bis zu den Einkehradressen im Einkehr-Guide. Und wer mit Hund unterwegs ist – unter Campern die Regel, nicht die Ausnahme – findet die Regeln und passenden Touren im Beitrag Urlaub mit Hund.

Häufige Fragen

Wie viele Campingplätze gibt es im Kleinwalsertal?

Vier: Camping Vorderboden in Mittelberg sowie Camping Jochum, Alpencamping Haller und Camping Zwerwald in Riezlern. Weitere Plätze liegen jenseits der Grenze im Oberallgäu rund um Oberstdorf.

Darf man im Kleinwalsertal frei stehen?

Nein. Außerhalb der Campingplätze ist das Übernachten im Wohnmobil nicht zulässig, auf öffentlichen Parkplätzen ist es ausdrücklich untersagt und wird kontrolliert.

Gibt es Wintercamping?

Ja, mehrere Plätze sind ganzjährig oder auch in der Wintersaison geöffnet. Camping Jochum weist eigene Winterpreise für 2026/27 aus, Zwerwald hat eine Wintersaison von Mitte Dezember bis Ende April.

Sind die Bergbahnen im Campingpreis enthalten?

Teilweise. Bei Camping Vorderboden sind die Bergbahnen von Mai bis Oktober im Personenpreis enthalten, bei Camping Jochum ab dem vierten Übernachtungstag. Prüfen Sie das vor der Buchung, weil es den Gesamtpreis stärker beeinflusst als die Standgebühr.

Kann man mit dem Wohnmobil bis Baad fahren?

Ja, die Straße endet in Baad, dem hintersten Ort des Tals. Übernachten dürfen Sie dort ebenso wenig wie anderswo im Tal, und der Parkraum ist knapp – für den Ausflug ist der Bus die entspanntere Wahl.

Fazit

Vier Plätze, alle klein, alle gut angebunden, drei davon auch im Winter geöffnet: Camping im Kleinwalsertal ist eine überschaubare Angelegenheit, die früh gebucht werden will. Der beste Platz hängt weniger vom Preis ab als vom Vorhaben – Vorderboden für Wanderer und Familien, Jochum für die kurze Anreise am Ortseingang, Haller für Skifahrer und Zwerwald für alle, die Ruhe der Ausstattung vorziehen.

Entscheidend ist die Rechnung mit den Bergbahnen: Wo Auffahrten im Preis stecken, wird aus einem teuren Stellplatz eine gute Bilanz. Und wer das Tal mit dem Bus statt mit dem Fahrzeug erkundet, hat den Vorteil, den Camping hier überhaupt erst attraktiv macht – man steht einmal und bleibt stehen, während der Berg jeden Tag ein anderer ist.

Hannes Leberbauer

Hannes Leberbauer ist 46 Jahre, und seit über 20 Jahren journalistisch tätig. Er ist in Salzburg zuhause und schreibt bei uns immer wieder über seine Liebe zu den Bergen und dem Tal.